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Lesung zum Holocaust-Gedenktag

Am 16. Januar hatte der 10. Jahrgang anlässlich des 81. Holocaust-Gedenktages (eigentliches Datum ist der 27. Januar, an diesem wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz- Birkenau 1945 von der Roten Armee befreit) die Möglichkeit eine besondere Lesung zu erleben: Der Autor und Professor Dr. Renatus Deckert las Auszüge aus den Tagebüchern Victor Klemperers vor, ordnete diese in den historischen Kontext ein und erklärte teilweise schwer verständliche Passagen.

Mich persönlich hat die Lesung sehr beeindruckt, daher will ich kurz das Leben Klemperers zusammenfassen:

Victor Klemperer (1881–1960) war ein jüdischer Professor für Romanistik in Dresden, der im Nationalsozialismus systematisch ausgegrenzt und verfolgt wurde. Ab 1935 verlor er wegen seiner Herkunft seine Professur an der Technischen Universität Dresden, musste Zwangsarbeit leisten, verlor den Zugang zur Bibliothek (was für ihn als Gelehrten besonders fatal war) und musste in einem überfüllten „Judenhaus“ leben – immer in Angst vor einer Deportation in ein Konzentrations- oder Vernichtungslager. Bemerkenswert ist, dass er von den Gräueltaten in den Vernichtungslagern wusste, obwohl er keine besonderen Informationen erhielt. Dadurch wird deutlich, dass die Behauptung vieler deutscher Staatsbürger nach dem Krieg, man habe „nichts gewusst“, nicht stimmen kann.

Trotz der Verfolgung führte Klemperer heimlich Tagebücher, deren Entdeckung mit hoher Wahrscheinlichkeit seinen sofortigen Tod bedeutet hätte. In ihnen hielt er seinen Alltag, aber vor allem die Sprache des NS-Staates fest. Aus diesen Aufzeichnungen entstand nach 1945 sein bekanntes Werk „LTI – Lingua Tertii Imperii“, in dem er die Propagandasprache des „Dritten Reiches“ analysiert. Die eigentlichen Tagebücher wurden erst nach seinem Tod veröffentlicht und lagen ursprünglich auf vielen losen Blättern vor, damit sie im Ernstfall leichter versteckt werden konnten. Warum Victor Klemperer sie nicht selber veröffentlicht hat, ist unklar.

Im Anschluss an die Lesung gab es noch die Möglichkeit für das Publikum Fragen zu stellen, welche zu weiteren spannenden Themen gestellt wurden. Unter anderem wurde nach der Meinung der Autors zur deutschen Erinnerungskultur und den aufstrebenden rechten Kräften gefragt. Dabei wurde schnell klar dass Herr Decker viele Schulprojekte organisiert, um uns Schüler:innen die Grausamkeit des NS Regiemes durch Originaltexte nahezubringen und Demokratie an Schulen zu fördern.

 

Anmerkung: Ein „Judenhaus“ nannte man im Nationalsozialismus ein Wohnhaus, in das jüdische Menschen zwangsweise einziehen mussten und in dem sie sehr eng zusammenlebten. Diese Häuser dienten dazu, Jüd:innen auszugrenzen, besser zu kontrollieren und meist für ihre spätere Deportation zu sammeln.

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