
Seminarfach Stadtentwicklung besucht das Ihme Zentrum
Wer sind wir?
An der Käthe-Kollwitz-Schule gibt es das Seminarfach „Zukunftswerkstatt: Stadtentwicklung“ statt, in dem 15 Schüler:innen und
Schüler des 13. Jahrgang eigene Ideen für die hannoversche Innenstadt entwickeln. In diesem Halbjahr sollen zu den Ideen kleine Videos produziert werden, um sie der Öffentlichkeit zu
präsentieren.
Auf diesem Weg haben wir uns unter anderem mit Heiko Heybey vom SPANDAU Projekt bzw. der Leinewelle, Luna Jurado vom Kulturzentrum Faust und Ulrich Berding von plan zwei getroffen, um mehr über die Geschichte ihrer Projekte sowie die Hintergründe und Herausforderungen zu erfahren. Dieses Mal waren wir im Ihme-Zentrum, um Hans-Georg „Schorse“ Burke vom Verein „Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum“ zu treffen.
Was ist das Ihme-Zentrum?
Das Ihme-Zentrum in Hannover Linden wurde auf dem Gelände der ehemaligen mechanischen Weberei gebaut, die 1961 stillgelegt wurde. In den späten siebziger Jahren sollte es ein multifunktionaler Komplex werden, der Wohnungen, Büros, Einzelhandel und Freizeitmöglichkeiten vereint.
Inspiriert war das Projekt von Martin Neuffer und seinem Buch „Städte für alle“. Nach einem städtebaulichen Wettbewerb 1967 wurde von 1971 bis 1974 gebaut. Am Anfang war der Einzelhandel ein großer Erfolg, da die Händler sich ein zweites Standbein im Ihme-Zentrum aufbauen wollten. Doch als die ersten Mietverträge ausliefen, kam es zu ersten Leerständen. Nicht gehaltene Versprechen wie die Uferpromenade verstärkten die Unzufriedenheit. Heute kämpft das Ihme-Zentrum mit einem Image als städtebaulicher Problemfall, obwohl es Potenzial für eine moderne Nutzung gibt.
Was haben wir erlebt?
Nachdem wir uns mit Hans-Georg „Schorse“ Burke getroffen hatten, ging es direkt los mit der Führung. Schorse führte uns durch die Bauruinen und entlang vieler abgesperrter Bereiche. Er ist Einheimischer und wohnt bereits seit neun Jahren im Ihme-Zentrum. Gemeinsam mit 60 weiteren Anwohner:innen und Anlieger:innen ist er Teil der „Zukunftswerkstatt
Ihme-Zentrum“. Diese setzt sich unter anderem für die Revitalisierung des Zentrums ein und arbeitet dabei eng mit den Bürgern der angrenzenden Stadtviertel zusammen.
Schorse erklärte uns, dass es viele „Investoren“ gegeben habe, die Geld in die Nutzung des Ihme-Zentrums stecken wollten. Diese betrachteten das Ihme-Zentrum lediglich als Geldanlage und waren ausschließlich auf Gewinn aus. Sie versprachen viel, doch am Ende kam nichts dabei heraus, und das teils stark marode Ihme-Zentrum muss weiterhin auf eine Rettung hoffen. Viele Kosten müssen von den ansässigen Bewohner:innen und Eigentümer:innen getragen werden. Zur Miete und zu den Nebenkosten kommen oft zusätzliche Ausgaben hinzu, die das gesamte Ihme-Zentrum betreffen.
Um Lösungen zu finden, wurden verschiedene Bürgerinitiativen gegründet und Konzepte vorgestellt, die zwar Zuspruch in der Bevölkerung fanden, jedoch bei den Stadtplanern Hannovers auf wenig Interesse gestoßen sind. Vonseiten der Stadt selbst gibt es aktuell keine ernsthaften Überlegungen oder Konzepte, die das ehemals erfolgreiche Projekt wiederbeleben könnten. Solche Vorhaben lassen sich jedoch nicht ohne Investoren umsetzen, da die notwendigen finanziellen Mittel nicht allein von der Stadt aufgebracht werden können. Zu den dringend erforderlichen Sanierungen gehören unter anderem die Entfernung von Taubenkot sowie die Instandsetzung des Stahlbetons, da dieser im Laufe der Zeit korrodiert und dadurch die Statik der Gebäude gefährdet.
Neben der „Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum“ engagiert sich Schorse auch im Verein „ihmeKULT“, den ihr auch auf Instagram findet. Mit Konzerten und anderen Kulturveranstaltungen wollen sie das Ihme-Zentrum als Veranstaltungsort bekannt machen und konnten bereits Musikgruppen wie das „Orchester im Treppenhaus“ gewinnen. Dieses hatte seine Anfänge in den Räumlichkeiten von „ihmeKULT“ und ist inzwischen in ganz Deutschland in Konzerthäusern zu Hause.
Gegen Ende unserer Exkursion erhielten wir noch einen Einblick in Schorses Wohnung. Er lebt in der siebten Etage in einer Penthousewohnung mit einem beeindruckenden Ausblick über die Stadt von seinen drei Balkonen.
Welche Lektionen hält das Ihme-Zentrum für zukünftige Stadtplanung bereit?
Blickt man auf die aktuellen Herausforderungen der hannoverschen Innenstadt, lässt sich die ein oder andere Lektion aus dem Ihme-Zentrum lernen. So können städtebauliche Projekte, die sich über viele Jahre erstrecken, von gesellschaftlichen Entwicklungen eingeholt werden, die man zu Beginn nicht auf dem Schirm hatte, z. B. das veränderte Konsumverhalten der Menschen durch das Internet.
Auch machen groß angelegte Projekte oft viele Kompromisse notwendig, die schlussendlich zum Risiko für den Erfolg des gesamten Projektes werden, da sich am Ende keine:r so richtig angesprochen fühlt. Generell sind zentral geplante Projekte trotz der oder gerade aufgrund der vielen Beteiligungsmöglichkeiten langwierig und nicht selten demotivierend. Bürokratische Hürden tun ihr Übriges.
Als nächstes schauen wir uns ein erfolgreiches Projekt an, das deutlich kleiner begonnen hat und auf die Initiative einer Handvoll Hannoveraner zurückgeht … und schlussendlich viel größer geworden ist, als zu Beginn geplant: Der Skatepark 2er in Linden!
Wir bedanken uns herzlich bei Hans-Georg „Schorse“ Burke und weisen nochmal auf die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum und den Verein ihmeKULT hin, der Konzerte und Partys organisiert.

