Auf Weltreise in BerlinEine Studienfahrt zur Berlinale Wenn es alljährlich im Februar so richtig kalt wird und Jecken und Funkenmariechen in Köln und Mainz dem Rosenmontag entgegenfiebern, zieht es Fanatiker ganz anderer Art nach Berlin: wer Kino und Filme liebt, freut sich schon im Sommer auf die Berlinale, die Internationalen Filmfestspiele, das größte Filmfestival Deutschlands. In diesem Jahr fand die 62. Berlinale vom 9.- 19. Februar statt und dreizehn Schülerinnen und Schüler des Abiturjahrgangs der KKS waren dabei. 400 Filme aus aller Welt, alle noch nie öffentlich gezeigt - vier davon haben wir uns ausgesucht für unsere Weltreise. 
Der holländische Film „Snackbar" zeigt uns Jugendliche mit marokkanischen Wurzeln in Rotterdam. Ihr Treffpunkt: Alis Frittenbude. Gras rauchen, große Sprüche klopfen und krumme Dinger drehen - das ist ihr Leben. Aber wenn die harten Jungs allein bei Ali vor der Kamera von ihrer traurigen Kindheit erzählen, werden sie nachdenklich und manche Träne wird nicht mehr unterdrückt. Wie zauberhaft dagegen die kleine Welt einer Baklava-Bäckerei in Gaziantep aus dem türkischen Film „Mustapha's Sweet Dreams": die Kamera filmt schwarze Haare mehlbestäubt, hauchdünnen Teig im weißen Gegenlicht, das Grün der Pistazien in Großaufnahme, dann ein Schwenk auf die goldbraunen Küchlein in siedendem Sirup - der köstliche Duft steigt aus dem Ofen direkt in die Nasen der Zuschauer. Doch Bäckergeselle Mustapha ist unzufrieden: er will sein eigener Herr sein und macht sich auf den Weg ins ferne Istanbul, um dort die besten Baklava der Welt zu backen. Wir wechseln den Schauplatz und das Milieu: Chile, gehobene Mittelschicht, evangelikale Sekte. In dem Film „Joven y Alocada" führt Daniela ein Doppelleben: ihre prüde Mutter versucht krampfhaft Danielas Sexualität zu unterdrücken, mit Gebeten, Schlägen und Hausarrest. Daniela findet dennoch Wege, diese auszuleben, virtuell in ihrem Blog, aber auch real: zu zweit, zu dritt, mit Freund, mit Freundin - Ende offen. Zuletzt noch zwei harte Jungs, etwas weich in der Birne: in Invercargill im äußersten Süden Neuseelands erleben wir die unzertrennliche Freundschaft zwischen Nige und Deano, beide Anfang zwanzig, im Verhalten eher „Two Little Boys", so der Filmtitel. Nige hat aus Versehen einen Rucksacktouristen überfahren. Wohin jetzt mit der Leiche? Eine bizarre Reise beginnt, atemberaubende Aufnahmen von Neuseelands Naturschönheiten inklusive, angereichert mit makaberem Humor, typisch Kiwi halt. Vier anspruchsvolle Filme, die man mit Sicherheit nicht in den üblichen Kinos sehen wird - das ist Berlinale! Und zwischen den Filmen? „Berlin ist die Hauptstadt der Einkaufszentren", titelt die Berliner Zeitung. Na denn, nüscht wie rin int „Alexa", wa? 54000 m² Verkaufsfläche warten auf unsere Euros. Die lassen wir besonders gerne bei Dunkin Donuts - lieber Cherry Pepper oder Boston Cream? Na beides, und dazu noch Blueberry und noch davon und davon zwei, im Zwölferkarton billiger, die Family in Hannover freut sich schon! (elg) |