OthelloDie Theater-AG 7-13 der Käthe-Kollwitz-Schule hatte am 28. Mai 2010 auf der „Großen Bühne" des Theater für Niedersachsen einen umjubelten Auftritt. 
Im Rahmen eines Projekts für drei Schulen aus der Region Hannover hat die Theater - AG der KKS ihre Version der um 1603 entstandenen „Tragedy of Othello" gezeigt. Dank des pofessionellen Engagements und des herausragenden persönlichen Einsatzes des Schauspielers Moritz Nikolaus Koch und der Dramaturgin Antje Femfert ist David Seyfert (Othello), Christine König (Desdemona), Christina Forsbach (Jago), Laura Friedsmann (Rodrigo), Leon Erhorn (Cassio) eine das Premierenpublikum faszinierende Vorstellung gelungen. Der Erfolg ist auch den vorhergegangenen intensiven Auseinandersetzungen der gesamten AG mit den von William Shakespeare komplex angelegten Themen- und Problemkreisen geschuldet: u.a. Eifersucht, Leidenschaft, sexuelle Unterdrückung, Sehnsucht nach wahrer Liebe, Diskriminierung von Außenseitern sowie Korruption und Intrige im Kampf um Macht, Geld und Herrschaft. 

Die im Vorfeld von der Gesamt-AG erarbeiteten Interpretationen, aber auch die mannigfaltigen Ideen zur dramaturgischen Umsetzung haben den Akteuren quasi einen fruchtbaren Boden zur diszipliniert angegangenen Bühnenproduktion bereitet. David Seyfert und Christine König vermochten ihren Figuren das Spektrum naiv angelegter Liebesbekundungen von anfänglich knisternder Erotik bis zu liebender Hingabe (Desdemona) und aggressiv reagierender seelisch verwundeter Liebespein (Othello) glaubwürdig anzulegen. 
Christina Forsbach überzeugte mit ihrer sowohl mimisch-gestisch als auch verbalisiert gelungenen Interpretation des Jago, der devot den Mächtigen gegenüber sein trügerisches Spiel treibt („Nichts ist, was es ist"), wobei angesichts des tödlichen Ausgangs für die Opfer seiner intriganten Destruktivität am Ende nur das trumphierende Sinnieren über die verheerende Macht des Scheins gegenüber der eigentlich von Gut-Menschen ersehnten Welt uneigennütziger Wahrhaftigkeit bleibt („ Was wäre das für eine Welt, wenn die Wirklichkeit, diese Wirklichkeit rund um uns, auch die Wahrheit wäre?"). In einer auf den Gesetzen von Tauschwerten basierenden Gesellschaft verkümmern die Menschen zu Marionetten, die nur so weit den Schein einer eigenständigen Existenz genießen können wie sie den Interessen der skrupellosen Strippenzieher dienlich sind: Laura Friedsmann zeigte in grandioser Bühnenpräsenz einen dynamisch freudig agierenden Rodrigo, dem die vernichtenden Arbeiten für Jago in der Hoffnung, doch noch Desdemonas Liebe erfahren zu dürfen, mehr Spaß als Kopfzerbrechen bereiteten. Leon Erhorns Darstellung des willfährigen Cassio vermittelte ein verblüffend authentisches Bild dieser bühnenmäßigen Verkörperung unkritischer Ahnungslosigkeit („Was soll ich jetzt machen?"). Im Zusammenspiel mit den klug ausgewählten musikalischen Untermalungen haben alle Akteure konzentriert und punktgenau die diszipliniert einstudierte Reduktion des Othellostoffes zu einem visuellen und auditiven Genuss gebracht. 
Siegfried Stöbesand beendet mit dieser Veranstaltung seine langjährige pädagogische Betreuung und Leitung der Theater AG an der Käthe-Kollwitz-Schule. |