Schülerinnen und Schüler treffen 'Othello'Theater-AG auf Probenbesuch im Theater für Niedersachsen „Malen Sie den noch an?", fragt Leonie auf dem Weg in die Kantine. Es ist Probenpause, und Leonie gehört zur Theater-AG der Käthe-Kollwitz-Schule Hannover, die heute bei einer Probe zu Shakespeares Othello zusieht. „Nein, der bleibt so", antwortet Antjé Femfert, Theaterpädagogin am TfN, und ergänzt: „Es weiß ohnehin jeder, dass Othello schwarz ist, da müssen wir den Schauspieler nicht extra schminken." - „ Find ich gut", meint Christine dazu, „man braucht das nicht, es wird im Stück ja auch ständig gesagt." Herr Stöbesand, der Leiter der Theater-AG, fragt: „Als was tritt Othello denn bei Ihnen auf? DER Schwarze ist er offenbar nicht, und wie ein richtiger Feldherr kam er mir auch nicht vor." - „Für mich ist er einfach ein guter Mensch, der seine Frau liebt", antwortet Leonie prompt.
Die Schülerinnen und Schüler haben noch mehr Fragen. Sie wollen genau wissen, warum der Shakespeare-Klassiker im TfN so und nicht anders auf die Bühne kommt. Es macht ihnen Spaß, den verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten auf die Spur zu kommen. Denn sie sind selbst Othello-Experten: Seit Beginn des Schuljahres arbeitet die Theater-AG an ihrer eigenen Othello-Aufführung. 
Im Rahmen des Projektes ‚Othello 2010' werden sie am Ende des Schuljahres zusammen mit zwei anderen Schultheaterkursen ihre eigene Version des Stückes auf der Großen Bühne des TfN in der Bultstraße Hannover präsentieren. Schauspieler Moritz Koch, der am TfN die Rolle des Roderigo spielt, begleitet die Schülerinnen und Schüler als Pate auf dem Weg zu ihrer eigenen Aufführung. Heute machen sie ihren Gegenbesuch bei der Probe der Theaterprofis. „Das ist toll, mal bei einer ‚echten' Theaterprobe dabei sein zu dürfen! Und Moritz Koch kannten wir ja bisher nur so, jetzt können wir ihm endlich mal beim Spielen zusehen. Total spannend war auch, die Regisseurin zu erleben, als sie die Szene unterbrochen hat", begeistert sich Christine.
Dass in der Inszenierung von Barbara Neureiter am TfN der Rassismus im Stück eine zentrale Rolle spielt, ist den Schülerinnen und Schülern gleich aufgefallen. „Vor allem am Anfang, wenn Roderigo und Jago über Othello sprechen. Roderigo ist ein richtiger Rassist!", empört sich Laura. „Aber Jago ist auch nicht besser, nur dass der nicht offen zuschlägt, sondern hintenrum", ergänzt Nele. Weshalb in den Szenen zwischen Jago und Roderigo so eine obszöne Sprache gesprochen wird, wollen die Schülerinnen noch wissen. „Sonst sind da doch so schöne Sätze drin in der Übersetzung", findet Laura. „Das finde ich auch", antwortet die Produktionsdramaturgin Astrid Reibstein, „die haben wir ja auch gar nicht verändert. Und die derbe Straßensprache, die Shakespeare für Roderigo geschrieben hat - und die Jago auch benutzt, wenn er mit Roderigo spricht - wollten wir ebenso beibehalten. Immerhin ist so ein Schläger wirklich gefährlich, und solche Typen gib es ja wirklich, heute wie damals." - „Bei unserer eigenen Aufführung war uns der rassistische Aspekt eigentlich gar nicht so wichtig", berichtet Rikarda. „Aber dann hat sich herausgestellt, dass der einzige Deutsch-Afrikaner in unserer AG den Othello spielen wird."
Wie emanzipiert Desdemona ist, wie hinterhältig Jago und ob Othello Desdemona am Ende erwürgen oder erschießen soll, wird noch diskutiert, als in der Kantine der Einruf erklingt: „Die Pause auf der Bühne ist beendet, bitte alle wieder zur Fortsetzung der Probe!" Die Theater-AG schließt sich den Schauspielern an auf ihrem Weg zur Großen Bühne. Nach der Premiere am 22. Januar wird die Theater-AG sich auch eine Vorstellung am TfN anschauen, um zu sehen, was aus den Proben letztendlich geworden ist. Und am 2. Juni um 18.00 Uhr wird das Schultheaterprojekt ‚Othello 2010' im TfN Hannover aufgeführt. Neben der Theater-AG der Käthe-Kollwitz-Schule werden dann auch Theaterkurse der Marie-Curie-Schule und der Schillerschule Hannover ihre Versionen der Othello-Geschichte zeigen. |