Kolonialismus, kostenloses Konzert & klirrende KälteBei eisigen Temperaturen verbringen AbiBac-Schüler des 13. Jahrgangs zwei ereignisreiche Tage in Berlin 
Durch eine Information des Institut Français wurden wir auf die Ausstellung Fremde? -Bilder von den „Anderen" in Deutschland und Frankreich seit 1871 des Deutschen Historischen Museums aufmerksam und begaben uns am 26.1. in die Hauptstadt. In der Ausstellung, mit der sich die Gruppe knapp zwei Stunden intensiv beschäftigte, werden unter anderem Erscheinungsformen des Antisemitismus, Stereotype von Migranten und Fragen der Staatsangehörigkeit thematisiert. Dabei wird die Entstehung und Wirkung von Fremdbildern in beiden Ländern reflektiert - über die französische Seite erfährt der Betrachter etwa, dass die bekannte französische Comic-Heldin Bécassine zwischen 1916 und 1918 zwar nicht als Kriegsbegeisterte Heldin dargestellt wird, aber dennoch als dezidierte Feindin der „Boches" - eine abwertende Bezeichnung für die Deutschen.

Auch die berühmte Affiche rouge, ein Plakat, mit dem die Nazis die ausländischen Widerstandskämpfer in den Augen der Bevölkerung als Terroristen erscheinen lassen wollten, konnte im Original bewundert werden. Dieses Plakat um den Armenier Manouchian wurde schon während der Besatzungszeit zu einer Art Denkmal für die hingerichteten Mitglieder seiner Gruppe.

Am Dienstagabend besuchte die Gruppe ein Konzert im Admiralspalast in unmittelbarer Nähe des S-Bahnhofs Friedrichstraße, bei ein deutscher und ein französischer Künstler auftraten, die der Poetry-Slam-Bewegung zuzurechnen sind. Durch die erfolgreiche Teilnahme unserer Schüler an einem Übersetzungswettbewerb war das gesamte Konzert gratis. Den Anfang machte der gebürtige Bremer Bas Böttcher, in dessen Texten sich die Jetztzeit mit ihren Abgründen und abstrusen Facetten widerspiegelt. Neben gekonnt verpackter Kritik am Konsumterror ("Tabak, Tic Tac, Six Packs, Kit Kat, Nic Nac's, Bifi, Beck's, Faxe, Big Boxes, Twix, Mixery und Kaugummi, Kaugummi, Kaugummi, Kaugummi") war das Publikum besonders von seiner Wortschöpfung „bekommbar" angetan, welche bei Bas Böttcher das schwer in Reimform zu integrierende Wort „erhältlich" ersetzt.

Den zweiten Teil des Konzerts bestritt der in Frankreich äußerst erfolgreiche Grand Corps Malade, dessen Beine aufgrund eines Schwimmunfalls teilweise gelähmt sind, weswegen er sich nur mit Hilfe einer Krücke fortbewegen kann. Aufgewachsen ist der Künstler, der eigentlich Fabien Marsaud heißt, in Saint-Denis, dem Département Frankreichs mit der höchsten Kriminalitätsrate. In seinen Texten thematisiert Grand Corps Malade mehrfach sein Milieu („Saint-Denis", „Je viens de là"), prangert soziale Missstände an („Education nationale"), oder überzeugt einfach als Sprachvirtuose („Pères et mères"). Zum besseren Verständnis der recht schwierigen Texte wurden die Schülerübersetzungen per Beamer eingeblendet. Am Mittwochmorgen besuchten wir die französische Botschaft, in der wir von Philippine in ihrer Muttersprache kompetent durch die verschiedenen Bereiche geführt wurden und alles Wissenswerte von A (wie Architektur) bis Z (wie Zerstörung im Jahre 1945) erfuhren.

Im 1997 vom Pariser Architekten Christian de Portzamparc konzipierte Gebäude befinden sich die repräsentativen Bereiche, die Kulturabteilung und die Verwaltung. Infolge der Anschläge vom 9. September 2001 wurde der Plan aufgegeben, allen Passanten das Durchqueren einer Passage vom Eingang an der Wilhelmstraße bis zum Pariser Platz zu ermöglichen, was leider auch für das Café Voltaire gilt. Am Tag unseres Besuches war zudem der gesamte Paris Platz abgesperrt, da - außer uns - mit den Präsidenten Peres und Karsai noch weiterer hoher Besuch in der Hauptstadt verweilte.

Natürlich blieb während des Berlin-Aufenthalts auch Raum für klassische Aktivitäten (Fahrt mit der Buslinie 100, Besuch im KaDeWe) oder solchen mit fachlichem Bezug (Französischer Dom auf dem Gendarmenmarkt, Buchladen in der Galerie Lafayette unweit der Französischen Straße.)
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