Im Reich der Mitte

Die KKS Big Band berichtet von ihrer China-Reise

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Vom 22.7. bis zum 1.8.2016 war die KKS Big Band gemeinsam mit der Studio Bigband der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover in Shenzhen, China. Anlass war das 3. Music Valley-Festival des Distrikts Xixiang. Im Rahmen dieses Festivals sollten die beiden Bands zwei Konzerte geben und zudem beim Wind Music Sommer Camp für chinesische Schüler mitwirken. Die Bands waren als Unesco Kulturbotschafter nach China eingeladen worden, im Vordergrund stand daher insbesondere auch der kulturelle Austausch.

Hier gibt es einen ausführlichen tageweisen Bericht:

  • Donnerstag, 21.7. - Anreise
  • Freitag, 22.7. - Ankommen
  • Samstag, 23.7. - Eröffnungsfeier
  • Sonntag, 24.7. - Schüler werden zu Lehrern
  • Montag, 25.7. - Karaoke und erste Probe
  • Dienstag, 26.7. - Aufnahmen für die Abschlussfeier und buddhistisches Essen
  • Mittwoch, 27.7. - Begegnung mit einem herausragenden chinesischen Orchester
  • Donnerstag 28.7. - Abschlussfeier
  • Freitag, 29.7. - Wehmütiger Abschied und erstes Konzert
  • Samstag, 30.7. - Zweites Konzert
  • Sonntag, 31.7. - Kultur in China
  • Montag, 1.8. - Hongkong und Rückflug
  • Dienstag, 2.8. - Home Sweet Home

Erst am Abend startete die lange und beschwerliche Reise. Einem vergleichsweise sehr kurzen Flug von Hannover nach Frankfurt folgte dabei ein sehr langer nach Hongkong im größten Passagierflugzeug der Welt, dem A380. Bereits am Airport in Hannover musste teilweise gezittert werden: Dürfen wir die Instrumente mit ins Handgepäck nehmen? Was passiert wenn nicht? Letztendlich sind dann aber doch alle Instrumente sicher in Hongkong angekommen. Einige Glückliche wurden auf dem Flug nach Hongkong in die Premium Economy Class upgegraded und durften sich über besseren Service und mehr Beinfreiheit freuen. Nichtsdestotrotz gehört ein 11-stündiger Flug nicht unbedingt zu den Dingen, die man ständig machen möchte.

Aufgrund der Zeitverschiebung kamen wir am Freitag erst gegen 15:00 Uhr Ortszeit in Hongkong an. Zuhause war es da gerade einmal 09:00 Uhr morgens. Etwas geschafft von dem langen Flug passierten wir die Passkontrolle. Da Hongkong derzeit noch eine eigenständige und eher westlich orientierte Provinz ist, stellte sich die Einreise an dieser Stelle recht einfach dar. Ein simples Vorzeigen des Reisepasses und schon ging es weiter. Doch wer dachte, dass damit schon alles erledigt sei, musste sich später eines Besseren belehren lassen. Nachdem wir unsere Koffer und einige Instrumente, zum Glück wohlbehalten, vom Gepäckband geholt hatten, ging es mit dem vom Veranstalter organisierten Reisebus weiter in Richtung Shenzhen. Bereits jetzt wurde deutlich, dass man sich in dieser Klimazone besser vollklimatisiert bewegt, denn die feuchte Hitze mit deutlich mehr als 30 Grad war sehr ungewohnt für uns. Shenzhen ist die direkte Nachbarstadt von Hongkong, doch einfach mal schnell durchfahren bis zum Ziel? Weit gefehlt. Zum einen ist Shenzhen mit 14 Millionen Einwohnern eine nicht gerade kleine Stadt, daher sind die Wege stets lang und Busfahrten durch die Stadt dauern gerne auch mal 45 Minuten und länger. Zudem mussten wir an der Grenze von Hongkong zu China mitsamt des Gepäcks aus dem Bus aussteigen und uns erneut einer Passkontrolle unterziehen. Auch hier ging es relativ flott, als wir jedoch wieder im Bus saßen, konnten wir gerade einmal einige Meter bis zur chinesischen Seite der Grenze fahren, um dann erneut mitsamt des Gepäcks den Bus zu verlassen. Hier wurden nicht nur die Pässe, sondern auch die Visa gründlichst geprüft, so dass sich die Überprüfung scheinbar endlos hinzog. Danach konnte es dann endlich weitergehen. Ziel war das Hotel, in dem die Mitglieder der Studiobigband und die Lehrkräfte untergebracht wurden. Dies war die erste von vielen Überraschungen, denn eigentlich waren alle davon ausgegangen, dass wir gemeinsam auf dem Campus des Internats schlafen und leben würden, auf dem auch das Sommer Camp für die chinesischen Schüler stattfand. Und diese Überraschung sollte nicht die einzige bleiben, vielmehr wurde schnell deutlich, dass die Uhren in China einfach anders gehen als in Deutschland. Bevor es für die Schüler und Lehrkräfte der KKS weiter zum Campus ging, gab es zunächst ein gemeinsames Abendessen im Hotel. Beim Campus angekommen war es dann bereits nach 22:00 Uhr und alle wollten nur noch in ihre Betten fallen. Begrüßt wurden wir von vielen sehr netten und hilfsbereiten Volontären, die uns während der gesamten Zeit betreuten. Viele von ihnen sprachen sogar ein wenig Deutsch. Dann wurden wir zu den Quartieren geführt. Hier folgte die nächste große und nicht unbedingt angenehme Überraschung, denn die Unterbringung war… nennen wir es spartanisch. Man muss immer bedenken, dass die Standards in China natürlich nicht denen in Deutschland entsprechen, allerdings waren wir auf Betten ohne richtige Matratzen und Duschen und Toiletten auf dem Balkon dann doch nicht gefasst gewesen. Nach dem ersten Schock setzte aber schnell der Pragmatismus ein: Was wird unbedingt noch für die Nacht benötigt? Fühlen sich alle sicher? Halten wir die Nacht durch? So schliefen alle mehr oder weniger gut, auch wenn zunächst ein beklommenes Gefühl zurückblieb…

Nach dem Frühstück trafen sich alle auf dem Campus wieder und es wurde besprochen, wie es weitergehen solle. Die Meinung war relativ einhellig, dass die Unterbringung schon aushaltbar sei, allerdings sollte für eine Verbesserung der Situation gesorgt werden, sobald dies möglich war. Eine Lehrkraft würde zudem immer mit den Schülern auf dem Campus nächtigen. Das Bemühen von chinesischer Seite, uns den Aufenthalt angenehmer zu machen, war deutlich spürbar. Schnell wurden internetfähige SIM-Karten, Mehrfachsteckdosen und viele andere Dinge für die Zimmer der Schüler besorgt. Auf Drängen und Nachfragen kamen wir dann zu der Übereinkunft, dass die Schüler bis zum Ende des Festivals weiter auf dem Campus schlafen, danach aber in ein Hotel umziehen können. Ansonsten stand der Samstag ganz im Zeichen der Eröffnungsfeier, die nachmittags stattfinden sollte. Dafür gab es extra eine Informationsveranstaltung, auf der schon einmal das Protokoll durchgegangen wurde. Zudem konnten sich alle ein bisschen besser bekanntmachen.

Nach dem Mittagessen standen dann die Vorbereitungen für die Eröffnungsfeier an. Von chinesischer Seite war man offenbar sehr aufgeregt, denn der Bürgermeister der Stadt Shenzhen und einige hochrangige Beamte hatten sich angekündigt. Wir mussten einen Fahnenträger bestimmen und sollten bei der Zeremonie an der Ehrentribüne vorbeilaufen, so wie alle anderen teilnehmenden Ensembles. Die teilnehmenden Schulen waren offenbar alles Grund- und Mittelschulen, denn der Campus war mittlerweile gefüllt mit 7-15 jährigen Schülern aus vielen verschiedenen Schulen der Region.

Die Eröffnungsfeier war dann ein echtes Highlight. Nach dem Aufmarsch standen alle ganz ordentlich in Reih und Glied auf dem Sportplatz. Mehrere chinesische Ensembles spielten ein Stück vor und das Festival wurde offiziell vom Bürgermeister der Stadt eröffnet. Alles in allem mutete die Veranstaltung wie eine Mischung aus Konzert, Eröffnungsfeier und Militärparade an. Andere Länder, andere Sitten…

Nach dem Abendessen wurden wir dann noch mit einem Bus in ein Szeneviertel der Stadt gefahren, wo wir die Promenade entlang spazierten, Kokosmilch aus frischen Kokosnüssen schlürften und uns ein beeindruckendes Einkaufsviertel anschauen konnten. Danach ging es wieder zum Campus bzw. ins Hotel. Dieses Mal schliefen alle schon ein wenig besser.

Eine weitere Überraschung lieferte das Programm der Festivaltage: Die Schüler der KKS Bigband waren eigeteilt, um mit den Schülern der teilnehmenden Ensembles Workshops durchzuführen. Damit ging es gleich nach dem Frühstück los. Die noch sehr jungen chinesischen Schüler waren bereits erstaunlich gut auf ihren Instrumenten. Für die Schüler der KKS Bigband war es sicherlich eine interessante Erfahrung, einmal die anleitenden Person zu sein und damit die andere Perspektive einzunehmen. Die Verständigung war zwar mitunter etwas schwierig, die Volontäre haben uns an dieser Stelle aber erneut gut unterstützt.

Am Nachmittag wurden die Schüler zum Hotel transportiert und konnten dort Einkäufe erledigen und auf eigene Faust die nähere Umgebung erkunden. Währenddessen durfte Herr Thiemann vor den versammelten chinesischen Schülern und Lehrkräften ein Ensemble anleiten. Dies kam sehr gut an und viele neue Kontakte konnten geknüpft werden. Am Abend gab es dann ein gemeinsames Abendessen in einem echten chinesischen Restaurant. Das original chinesische Essen war sehr lecker, allerdings anders als wir es in Europa kennen. Das Essen mit Stäbchen klappte bei den meisten schon relativ gut. Am Abend ging es dann wieder zurück zum Campus, auf dem sich die Schüler mittlerweile eingelebt hatten.

Vormittags waren die Schüler der KKS Bigband erneut gefordert und leiteten chinesische Schüler an. Die Gruppen waren ziemlich groß und alles gestaltete sich etwas schwierig. Die chinesischen Kinder waren allerdings stets sehr dankbar und freuten sich, von ausländischen Schülern etwas erklärt und vorgespielt zu bekommen. Häufig wurden gemeinsame Fotos gemacht und sogar Autogramme mussten gegeben werden. Am Nachmittag konnten die Schüler dann in den Genuss einer original chinesischen Karaoke-Bar kommen, was sich als sehr nett und lustig herausstellte. Die Gelegenheit wurde von vielen dann auch gleich erneut genutzt, um einkaufen zu gehen. Währenddessen hielten Herr Thiemann und Herr Frühauf Masterclasses mit einigen chinesischen Schülerensembles ab. Auch hier waren alle sehr nett und dankbar und es wurden viele Fotos gemacht. Nach dem Abendessen ging es dann mit dem Bus zur Konzerthalle, wo wir in einem Probenraum unsere erste Probe abhalten konnten. Es galt zu entscheiden, welche Stücke auf den Konzerten gespielt werden sollten, denn das Programm musste am nächsten Tag feststehen, damit die Programmhefte gedruckt werden konnten. Danach ging es zurück zum Campus, wo nach einigen Sprintduellen auf dem Sportplatz alle in ihre Betten fielen.

Der Vormittag stellte sich wie die vorherigen dar. Nach dem Mittagessen konnten die Schüler erneut in die Stadt gehen und Einkäufe erledigen. In dieser Zeit hielten Herr Thiemann und Herr Frühauf wiederum Masterclasses ab. Am späten Nachmittag konnten wir dann erneut im Probenraum der Concert Hall proben. Dabei wurden die Stücke aufgenommen, die wir während der Abschlussfeier zwei Tage später vorspielen würden. Wie wir es bereits bei der Eröffnungsfeier kennengelernt hatten, mag man es in China, sich zu inszenieren. Daher werden die Stücke nicht live gespielt, sondern vorher aufgenommen und dann über eine Anlage abgespielt, so dass die Wirkung auf das Publikum möglichst groß ist. Danach fuhren wir in ein sehr gutes und bekanntes Restaurant in Shenzhen, in dem es buddhistische Küche gab. Diese kommt ohne Fleisch, Fisch, Milch und Ei aus. Das Essen war fantastisch. Für einige zwar ungewohnt scharf, aber unfassbar lecker! Zudem erfuhren wir von dem Besitzer des Restaurants einiges über die Tradition des Essens in China, das ursprünglich primär zu Heilungszwecken diente. Ärzte und sogar der Kaiser mussten daher früher in China stets gut kochen können.

Am Vormittag leiteten die Schüler der KKS zunächst wieder Gruppen von chinesischen Schülern an. Dieses Mal waren sogar Würdenträger der Stadt Shenzhen zu Gast, die sich alles anschauten. Vor dem Mittagessen gab es dann auf Wunsch der Schüler noch eine Begegnung mit einem herausragenden chinesischen Orchester, das uns ein Stück vorspielte. Im Anschluss sollten unsere Schüler sogar mitspielen und Herr Thiemann durfte, wie auch schon am Tag zuvor Herr Frühauf, mit dem Orchester proben. Die Qualität der musikalischen Arbeit war beeindruckend. Es ist kaum vorstellbar, dass in Deutschland ein besseres Blasorchester mit Schülern im Altern von 10-15 Jahren zu finden ist. Abschließend wurden wieder viele Fotos gemacht, daran hatten sich die Schüler und Lehrkräfte bereits gewöhnt. Nach dem Mittagessen fand dann noch eine Gesprächsrunde mit den Leitern der verschiedenen Ensembles statt, an der Herr Thiemann, Herr Kulasek und Herr Frühauf teilnahmen. Es wurde über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der musikalischen Ausbildung in China und Deutschland gesprochen. Im Anschluss fuhren alle wieder zur Konzerthalle, um dort für die bald anstehenden Auftritte zu proben. Den Abend verbrachten die Schüler ein letztes Mal auf dem Campus. Es war sehr nett, in großer Runde wurde das Spiel „Werwölfe“ gespielt. In dieser Nacht träumten sicherlich alle von dem herrlichen 5-Sterne Hotel, in das sie morgen einziehen würden.

Morgens mussten die Schüler mitsamt ihres Gepäcks sehr zeitig in den Bus einsteigen, da es galt, rechtzeitig bei der Abschlussfeier zu sein. Diese fand vor der Konzerthalle von Xixiang statt. Dort angekommen war der Platz bereits gefüllt mit chinesischen Schülern und Bühnen, Leinwände und Stühle waren aufgebaut worden. Die KKS Bigband war bei dieser Veranstaltung sozusagen der Haupt-Act, denn wir durften am Ende der Veranstaltung aufmarschieren und ein Stück (das vorher aufgenommen worden war) vorspielen. Dann kam Herrn Thiemann die Ehre zu, die etwa 1000 anwesenden Schüler bei einem gemeinsamen Stück zu dirigieren. Dieses Stück hieß „kleiner Apfel“ und ist eine in China offenbar sehr populäre Melodie. Anschließend wurden wieder viele Fotos gemacht. Danach konnten die Schüler endlich in das Hotel einziehen, wonach sich alle schon lange gesehnt hatten, denn endlich gab es wieder ein richtiges Bett zum Schlafen. Auch der Pool auf dem Dach mit 30° Wassertemperatur wurde sofort in Beschlag genommen. Mittagessen gab es an diesem Tag in einem chinesischen Restaurant im nahegelegenen Einkaufszentrum. Es war wieder sehr lecker und vor allen Dingen reichlich. Am Nachmittag probten wir dann erneut, um uns abschließend auf den Auftritt am kommenden Tag vorzubereiten. Danach hatten die Schüler frei, für Herrn Thiemann, Herrn Kulasek und Herrn Frühauf stand aber noch ein ganz besonderer Termin an: Ein Abendessen mit dem Bürgermeister von Shenzhen und einigen weiteren wichtigen und mächtigen Damen und Herren. Nach einer Begrüßung wurden zunächst Reden gehalten und Geschenke ausgetauscht. Danach gab es ein Essen aus schätzungsweise zehn Gängen (das Mitzählen viel irgendwann schwer) und viele Gespräche mit den wichtigen Damen und Herren wurden geführt. Es wurde schnell offenkundig, dass von chinesischer Seite großes Interesse an einem weiteren kulturellen Austausch besteht. Während des Essens wurden daher viele Hände geschüttelt. Im Anschluss erhielten wir noch Bilder, die von chinesischen Schülern gemalt worden waren. Am Abend fielen alle zufrieden, aber geschafft in ihre Betten und waren bereits etwas aufgeregt, da morgen ja der erste große Auftritt anstand.

Nach dem üppigen Frühstücksbüffet im Hotel fuhren wir ein letztes Mal zum Campus. Hier warteten bereits alle teilnehmenden Schüler in der Mensa auf uns. Es war eine Bühne aufgebaut worden und die chinesischen und deutschen Schüler erhielten Urkunden für die Teilnahme am Wind Music Summer Camp. Zudem gab es viele spannende musikalische Beiträge mit chinesischen Instrumenten und Gesang. Während der Veranstaltung wurden original chinesische Maultauschen serviert. Wie bereits in den Tagen zuvor wollten etliche Schüler Fotos mit uns machen und sammelten fleißig Autogramme. Man kam sich fast wie ein Pop-Star vor. Schweren Herzens und nur sehr ungern fuhren wir dann zurück zum Hotel, um uns vor der Abfahrt zur Shenzhen Concert Hall noch ein wenig zu erholen. Als wir dann gegen 15:00 Uhr dort eintrafen, blieb allen, die die Halle noch nicht gesehen hatten, der Atem weg, denn die Concert Hall ist riesig und sehr gut ausgestattet. 1600 Personen finden dort Platz. Zunächst machte die Studio Bigband einen Soundcheck, danach waren wir an der Reihe. Die Verständigung mit der Technik war mitunter etwas schwierig, am Ende klappte dann aber doch alles wie gewünscht. Jetzt blieben noch zwei Stunden Zeit, um etwas zu essen und im Green Room zu entspannen, um 20:00 Uhr startete dann das Konzert. Es war für alle ein einmaliges Erlebnis und insgesamt können wir sehr zufrieden mit dem Auftritt sein. Als Zugabe spielten wir das Stück „kleiner Apfel“, was bei den chinesischen Zuschauern sehr gut ankam. Da wir leider nicht in der Konzerthalle sitzen durften, verfolgten wir im Anschluss den sehr professionellen und beeindruckenden Auftritt der Studio Bigband am Fernseher.  Im Anschluss wurde noch gemeinsam gefeiert, bis wir gegen 23:00 Uhr wieder ins Hotel zurück fuhren. In dieser Nacht schliefen alle geschafft, aber sehr zufrieden über das Geleistete ein und freuten sich bereits auf das morgige Konzert in der Xixiang Concert Hall.

Der Tag des zweiten Konzerts war deutlich entspannter. Nachdem alle mehr oder weniger ausgeschlafen hatten, sollte um 10:00 Uhr zunächst die Rhythmusgruppe im Konzertsaal proben. Zum Glück lag diese direkt gegenüber vom Hotel, so dass der Weg diesmal sehr kurz war. Auch hier gab es allerdings wieder eine Überraschung, denn der Saal war angeblich noch nicht fertig aufgebaut, so dass die Schüler zunächst wieder ins Hotel gehen konnten. Jörn Marcussen-Wulff, Leiter der Studio Bigband, Herr Thiemann und Herr Frühauf wurden zu einem Kaffee ins Bistro gebeten, wo „zufällig“ nicht nur die Chefs der Veranstaltung und des Bildungswesens in Xixiang, sondern auch alle Ensembleleiter versammelt waren. In einem zweistündigen Gespräch wollte man von uns wissen, wie eine Bigband erfolgreich auf die Beine gestellt wird und wie die Ausbildung im Bereich der Jazz Musik abläuft. Es wurde schnell deutlich, dass von chinesischer Seite geplant wird, ebenfalls in die Bigband Musik einzusteigen. Dafür bat man um unsere Expertise. Insgesamt wollen die Verantwortlichen 80 (!) Bigbands im Bezirk Xixiang gründen. Offenbar haben wir einen bleibenden Eindruck hinterlassen…

Ab 14:00 Uhr konnten wir dann im Konzertsaal loslegen. Wie am Tag zuvor machte zuerst die Studio Bigband Soundcheck und dann wir. Das Konzert startete um 19:30 Uhr. Es lief noch besser als Abend zuvor und wurde von den 1200 Zuhörern begeistert aufgenommen. Im Anschluss an das Konzert wurden Jörn Markussen-Wulff und Herr Thiemann mit vorgehaltener Kamera interviewt. Anschließend wurde noch gefeiert, bevor alle zufrieden, aber müde wieder ins Hotel zurückkehrten und in ihre Betten fielen.

Nachdem die Konzerte vorbei waren, konnten wir noch ein wenig die Kultur von China und Shenzhen kennen lernen. Nach dem Frühstück fuhren wir mit einem Reisebus zu einer ehemaligen Festung einer besonderen chinesischen Volksgruppe, den Hakka. Dort gab es ein Museum, das die Lebensweise dieser Minderheit darstellte. Es war eindrücklich zu sehen, wie die Leute an dieser Stelle lebten, bevor eine Metropole mit 14 Millionen Einwohnern an derselben Stelle entstand. Im Anschluss ging es weiter in ein anderes Dorf, das ebenfalls von Hakka bewohnt worden ist. Obwohl uns gesagt wurde, dass wir dazu „aufs Land“ fahren würden, kam uns die Umgebung immer noch genauso dicht bebaut vor wie im Zentrum von Shenzhen. Die Stadt scheint einfach grenzenlos zu sein. Anschließend fuhren wir noch zum zweithöchsten Gebäude von Shenzhen, das allerdings mit knapp 400 Metern Höhe bald nur noch das dritthöchste sein wird. Ein Gebäude mit 600 Metern Höhe ist kurz vor der Fertigstellung. Dieses wird dann das zweithöchste Gebäude der Welt sein. Aber auch vom dritthöchsten Gebäude in Shenzhen war der Ausblick sehr eindrucksvoll. Von oben wurde erst so richtig klar, wie groß die Stadt eigentlich ist. Die Grenzen sieht man noch nicht einmal in der Ferne. Es ist fast nicht zu glauben, dass diese Stadt, in die Berlin mehrfach hineinpassen würde, innerhalb von noch nicht einmal 40 Jahren entstanden ist. Am Abend ging es dann wieder ins Hotel, wo alle begannen, ihre Koffer zu packen und sich auf die Abreise am nächsten Tag vorzubereiten.

Morgens luden nach dem Frühstück alle ihre Koffer und Instrumente in die Busse und es ging nach Hongkong. Der Rückflug nach Frankfurt ging zwar erst am Abend, jedoch war noch den Tag über eine Sightseeing-Tour in Hongkong geplant. Zunächst wuchs allerdings unsere Beunruhigung, da ein Taifun aufzog und wir nicht genau wussten, ob unser Flug abends regulär abfliegen würde. Zum Glück war der Taifun noch weit genug entfernt, so dass wir unsere Sightseeing Tour in verkürzter Form trotzdem machen konnten. In Hongkong angekommen, besuchten wir zunächst einen buddhistischen Tempel. Nach dem Mittagessen spazierten wir dann die Promenade entlang und fuhren mit einer Fähre auf den Inselteil von Hongkong. Unser Guide, der sehr gut Deutsch sprach, erklärte uns während der Fahrt eine Menge interessante Dinge über das Leben in Hongkong und über die verschiedenen Gebäude. Dann fuhren wir zum Flughafen, um rechtzeitig unsere Koffer einchecken zu können. Das stellte sich als sehr schwierig heraus, denn das Bodenpersonal war vom Flughafen angestellt und wollte partout keine Ausnahmen beim Handgepäck machen. Obwohl beim Hinflug alles so toll geklappt hatte, standen wir nun also da und waren am Verzweifeln, da wir mit den Instrumenten nicht weiter gelassen wurden. Zum Glück kam dann die Besatzung des Flugzeugs vorbei und wir konnten die Kabinenchefin bitten, das Bodenpersonal dazu zu bringen, uns mit den Instrumenten weiter zu lassen. Das hatte dann endlich den gewünschten Erfolg und wir konnten mitsamt den Instrumenten durch die Sicherheitskontrolle und zum Gate. Als wir dann endlich im Flieger saßen, atmeten alle durch und auf, denn das Einchecken hätte gar nicht stressiger sein können. Im Flugzeug versuchten dann alle etwas zu schlafen oder genossen das Entertainment Programm.

Am Dienstag kamen wir in aller Frühe um 05:00 Uhr Ortszeit in Frankfurt an. Da unser Flug nach Hannover erst um 09:00 Uhr ging, hatten wir noch ein wenig Zeit, uns im Transit-Bereich auszuruhen. Alle waren aber sicherlich froh, wieder deutschen Boden unter den Füßen zu haben. Nach der Ankunft in Hannover gab es ein freudiges Wiedersehen mit Eltern und Geschwistern. Dann wurde noch ein abschließendes Gruppenfoto gemacht und alle umarmten sich zum Abschied, denn derartig aufregende Tage schweißen wirklich zusammen. Zuhause schliefen alle sicherlich erst einmal zwei Tage lang durch.

Offizielles Video der Abschlussfeier:

 

Impressionen der China-Reise:

 

Abschließende Bemerkungen:

Was bleibt nach einer derartigen Erfahrung hängen? Zum einen war es sicherlich das Aufregendste und Anstrengendste, was viele von uns jemals gemacht haben. Gleichzeitig war es aber mit Sicherheit auch eine der interessantesten und schönsten Erfahrungen, die wir bislang sammeln durften. Die Gastfreundschaft und Warmherzigkeit, mit der wir von chinesischer Seite aufgenommen wurden, wird uns ewig im Gedächtnis bleiben. Gerade die chinesischen Kinder haben sich so über unseren Besuch gefreut und waren so kontaktfreudig und offenherzig, dass wir viele Vorurteile über Bord werfen mussten. Zwar gehen die Uhren in China wirklich anders und an vielen Stellen war nur schwer mit der Ungewissheit, was als nächstes passieren würde, umzugehen. Trotzdem können wahrscheinlich alle von sich behaupten, dass es eine einmalige Erfahrung war, die man nicht missen möchte und die gerne wiederholt werden kann. Ein besonderer Dank gilt Aihua Cao, die uns während der gesamten Zeit begleitet hat und unentwegt am Organisieren und Übersetzen war. Ohne sie wäre diese Reise für uns undenkbar gewesen. Tausend Dank, Aihua!

(Frü)